Gastgeber Thorsten Schneidewind, CEO Zurich Life Insurance Company Ltd, begrüsste am 1. und 2. September rund 80 Personen zum traditionellen "Pensionskassen-Summit" im Bildungszentrum von Zurich am Zürichberg. Ohne im Detail auf das laufende Enforcement-Verfahren der Finma einzugehen, betonte Schneidewind die Rolle der Regulierung im Ökosystem der beruflichen Vorsorge. Die Regulierung schaffe Rahmenbedingungen und stärke das Vertrauen. Schneidewind entschuldigte sich für die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht worden seien. Mit Blick auf die Zukunft und die Autonomie, die die Sammelstiftung Vita anstrebt, sprach Schneidewind von der Verantwortung der Versicherung als Servicedienstleister. Diese ende nicht mit der Autonomie, sagte er weiter.
Regulierung als Herausforderung für den Welthandel
Als erste Gastrednerin äusserte sich Magdalena Martullo-Blocher allgemein zur Regulierung als Bedrohung von aussen. Im Dialog mit Interviewer Reto Lipp sprach sie viel über ihre Erfahrungen als Unternehmerin weltweit. Auch für die Nationalrätin ist die wirtschaftliche Autonomie zentral. Das Geheimnis des Erfolgs liege darin, dem Kunden Mehrwert zu verkaufen. Die Schweiz müsse sich auch vor Giganten wie China oder den USA nicht verstecken, sondern könne sich mit Freihandelsabkommen die Freiräume im weltweiten Handel bewahren. Die Regulierungswut der EU sei der falsche Weg, dagegen müsse man sich wehren.
Ralph Ossa, Ökonomieprofessor an der Universität Zürich und ehemaliger WTO-Chefökonom, äusserte sich zuversichtlich darüber, dass das Regelwerk des freien Welthandels trotz Trump Bestand habe. Obwohl die Handelskonflikte, etwa zwischen China und den USA, für 80% der Schlagzeilen sorgten, sei der globale Handel viel diverser.
Neue Aufgaben für Pensionskassen?
Martin Eling, Professor für Versicherungsmanagement an der Universität St. Gallen, widmete seinen Vortrag der grössten Herausforderung der Zukunft, der Demografie. International stehe die Schweiz dank prall gefüllten Kassen und Wohlstand zwar noch gut da. Aber Deutschland, Österreich und die Schweiz hätten ein gemeinsames Problem: der Sozialstaat sei unterfinanziert.
Eling glaubt an die Robustheit des Dreisäulensystems und nannte es vorbildlich. Allerdings sieht er den Reformstau als problematisch an. Die Arbeitswelten hätten sich verändert. Er stellte die Frage, welche Berufe es in Zukunft noch brauche und welche durch die Automatisierung wahrscheinlich wegfallen würden. Es gehe darum, die Menschen mitzunehmen in die Transformation der Arbeitswelt.
Die grösste sichtbare Herausforderung sieht Eling in der Pflegelücke. Das grösste ungedeckte biometrische Risiko sei die Langlebigkeit. Die Pensionskassen seien aber dafür gemacht, dieses Risiko zu tragen. Eling stellte eine zusätzliche 4. Säule zur Debatte - eine Pflegeversicherung. Die Durchführung eines solchen Sozialstaat-Puzzlesteins könnte eine neue Aufgabe für die Pensionskassen sein. Wie lange es gehen wird, bis hier eine politische Lösung gefunden wird, ist unklar. Eling zeigte sich zuversichtlich, dass die Langlebigkeit anhält und gemeistert werden kann.
Lebendige Podien über Verdichtung und Leerstände
André Tapernoux, Pensionskassen-Experte, Keller Experten AG, gab in einem interaktiven Referat einen Überblick über die kleineren Herausforderungen im Pensionskassenalltag. Anhand von 10 Thesen beschrieb er anschaulich, wie sich die Wahrscheinlichkeiten in der beruflichen Vorsorge verändert haben und verändern. So werden zum Beispiel jüngere Versicherte bis Alter 40 Jahre häufiger invalid als früher; ältere Versicherte ab 40 Jahren dagegen seltener.
Auf einem Podium mit Kate Kristovic (Libera) sowie Thomas Schönbächler (BVK), wurden diese Befunde der neuen Grundlagen und weitere Trends der 2. Säule diskutiert. Die Pensionskassen würden sicher navigieren in den unsicheren Gewässern, so der Tenor. Sicher aber scheint auch, dass die Konsolidierung im Markt weitergehen wird.
Ramona Spirig, Head Real Estate Fonds & Mandate, stellte ein Verdichtungsprojekt der Zurich Invest AG vor. Mit einem Ersatzneubau in Zürich-Schwamendingen ist die Firma daran, den Wohnraum innert zehn Jahren zu verdoppeln. Spirig beschrieb, wie man durch sorgfältige Planung und frühe Miteinbeziehung der Mieterschaft und Behörden die dafür notwendige Zeitdauer optimieren kann.
Auf einem Immobilien-Panel diskutierten schliesslich Giacomo Balzarini (PSP Swiss Property) mit Ivo Vögtli (Complan) und Rentato Piffaretti (Zurich Invest) über die Frage des richtigen Gleichgewichts bei Wohn- und Geschäftsimmobilien. Während viele Pensionskassen hohe Wohnanteile haben, funktioniert der Markt für Geschäftsimmobilien anders. Da die Geschäftsimmobilien weniger im Fokus der Politik stehen als Wohnungen, berge dies Chancen für Pensionskassen, sagte Balzarini. Allerdings müsse man mit Leerständen umzugehen wissen und einen langen Atem haben.
Das Gleichgewicht der 2. Säule