Was passiert mit meinem PK-Geld bei einem Börsencrash? | Schweizer Personalvorsorge
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Fragen von Versicherten an den Stiftungsrat

Was passiert mit meinem PK-Geld bei einem Börsencrash?

07.09.2026
Lesezeit: 3 min

Pensionskassen investieren langfristig und breit diversifiziert. Die Anlagevorschriften der BVV2 begrenzen die Risiken ­zusätzlich – beispielsweise liegt die maximale Aktienquote bei 50%, und nur wenige Pensionskassen haben eine so hohe ­Aktienquote. Da es sehr selten ist, dass alle Anlagekategorien gleichzeitig an Wert verlieren, gleichen sich Schwankungen teilweise aus. Trotzdem: Je höher der Aktienanteil einer ­Pensionskasse ist, mit desto grösseren Wertschwankungen muss gerechnet werden.

Wertschwankungsreserven als erster Puffer

Nach einem Börsencrash sinkt das Vermögen einer Pensionskasse und damit auch ihr Deckungsgrad. Die meisten Pensionskassen verfügen jedoch über Ziel-Wertschwankungsreserven von rund 15 bis 20%, die genau für solche Situationen aufgebaut werden. Sie dienen dazu, auch stärkere Kurseinbrüche aufzufangen, ohne dass eine Unterdeckung entsteht. 

Ein Deckungsgrad von 100% bedeutet, dass das vorhandene Vermögen ausreicht, um sämtliche Verpflichtungen zu decken. Fällt der Aktienmarkt um 25%, entspricht dies bei einer Aktienquote von 40% einem Vermögensverlust von rund 10%, wenn auf den anderen Anlagen keine Rendite erzielt wird. Startet eine Pensionskasse mit einem Deckungsgrad von 120%, verbleibt trotz dieses Rückgangs ein Deckungsgrad von 108%. Die Wertschwankungsreserven erfüllen damit genau ihren Zweck: Sie federn Marktverluste ab, ohne dass sofort Sanierungsmassnahmen nötig werden.

Antizyklisches Anlageverhalten

Pensionskassen verfolgen eine langfristige Anlagestrategie. Nach einem Börsenrückgang werden oft Aktien nachgekauft, um zur strategischen Zielallokation zurückzukehren. 

Dieses systematische und antizyklische Vorgehen unterscheidet sich vom Verhalten vieler Privatanleger, die nach Kursverlusten verkaufen und erst nach einer Erholung wieder einsteigen. Historisch haben sich die Finanzmärkte nach allen grösseren Einbrüchen wieder erholt – auch wenn dies Zeit braucht.

Die Rolle des Stiftungsrats

Nach einem Börsenrückgang überprüft der Stiftungsrat den Deckungsgrad, die finanziellen Reserven, die Risikofähigkeit der Pensionskasse sowie die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Nach meiner Erfahrung besteht in den meisten Fällen kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Häufig werden jedoch strategische Projekte – etwa Leistungsverbesserungen – vorübergehend zurückgestellt, bis sich der Deckungsgrad erholt hat oder die Anlagestrategie im Rahmen einer Asset-Liability-Management-Studie (ALM-Studie) überprüft wurde.

Auswirkungen auf das Altersguthaben

Ein Börsencrash reduziert das persönliche Altersguthaben nicht direkt. Dieses wird jährlich mit dem vom Stiftungsrat festgelegten Zinssatz verzinst. Kursschwankungen wirken sich deshalb auf den Deckungsgrad der Pensionskasse aus, nicht auf das individuelle Sparkapital. Erst in den Folgejahren kann sich ein Börsencrash indirekt durch eine tiefere Verzinsung bemerkbar machen.

Für Rentner haben Börsencrashs keine unmittelbaren Auswirkungen auf die laufenden Renten, da das Anlagerisiko von den aktiven Versicherten und den Arbeitgebern getragen wird – Renten sind garantiert und können nicht gekürzt werden.

Unterdeckung als Ausnahmefall

Fällt der Deckungsgrad dennoch unter 100%, spricht man von einer Unterdeckung. Das bedeutet nicht, dass eine Pensionskasse zahlungsunfähig ist. Häufig verbessert sich die Situation mit der Erholung der Finanzmärkte oder durch künftige Anlageerträge. 

Erst wenn die Unterdeckung erheblich oder länger anhaltend ist, können gesetzlich vorgesehene Massnahmen wie eine Verzinsung unter dem BVG-Mindestzinssatz, Sanierungsbeiträge von Arbeitgebern und Versicherten oder eine Reduktion der Anlagerisiken erforderlich werden.

Fazit

Börsencrashs gehören zu den Finanzmärkten und können  die finanzielle Situation einer Pensionskasse vorübergehend belasten. Dank Wertschwankungsreserven, einer breit diver­sifizierten Anlagestrategie, professioneller Vermögensverwaltung und klaren gesetzlichen Vorgaben sind Pensionskassen jedoch darauf ausgerichtet, auch schwierige Marktphasen zu überstehen. Aus Sicht des Versicherten handelt es sich bei seinen Anlagen in der Pensionskasse um eine sehr sichere ­Investition.