Fast unter Frauen | Schweizer Personalvorsorge
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Vorsorge-Summit Herbst '26

Fast unter Frauen

Zum achten Mal fand am 22. Oktober 2026 das Vorsorge-Summit im Zunfthaus zur Saffran in Zürich statt. Am Anlass von Frauen für Frauen kamen diesmal auch ein KI-Avatar und ein männlicher Referent zu Wort.

28.10.2026
Lesezeit: 3 min

BSV-Direktorin Doris Bianchi präsentierte den Evaluationsbericht des Bundesrats zur Strukturreform der beruflichen Vorsorge. In der 2. Säule habe sich vieles zum Positiven entwickelt, es bestehe aber weiterhin Verbesserungspotenzial. Die Zusammenarbeit zwischen den Direktaufsichten und der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) verlaufe nicht immer optimal, und eine einheitliche Aufsichtspraxis sei noch nicht erreicht. So gebe es etwa Uneinigkeit über die Kompetenzen der OAK BV gegenüber den Aufsichtsbehörden. Besondere Governance-Risiken bestünden bei den Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen.

Eine materielle BVG-Revision mit Anpassungen bei Leistungen und Beiträgen sei derzeit politisch nicht mehrheitsfähig. Im Vordergrund stehe deshalb eine technische Revision. Zu den Handlungsfeldern zählen laut Bianchi die Digitalisierung, ein fairer Wettbewerb, Governance und Aufsicht sowie eine Datenstrategie für die 2. Säule. Ziel sei es, den Sozialversicherungscharakter der beruflichen Vorsorge zu stärken. Diese lebe vom Vertrauen der Versicherten, und Vertrauen setze Transparenz und Effizienz voraus. Das BSV verspüre keine Regulierungswut, betonte Bianchi. Es setze vielmehr auf Stiftungsräte, die ihre Verantwortung wahrnehmen und ihren Gestaltungsspielraum nutzen.

Bewusst im Hier und Jetzt

Wie man sich selbst regulieren kann, zeigte Lucia Dahinden (Spot Coaching AG). Könne das Gehirn neue oder überraschende Reize nicht rasch einordnen, verenge sich der Fokus: Es entstehe ein Tunnelblick. Das Gehirn sei dann übermässig wachsam, und die Kommunikation zwischen den Hirnarealen lasse nach. Weil Denken Energie brauche, könne ein dauerhaft überaktiviertes System zur Erschöpfung führen. Statt sich gedanklich auf ein Problem zu fixieren, helfe es, innezuhalten und die Sinne zu aktivieren: hören, tasten, schmecken, riechen. So liessen sich alternative Möglichkeiten erkennen. Gute Ideen kämen oft beim Joggen oder unter der Dusche. Auch Meditation unterstütze die Selbstregulation. Im Gespräch sei es hilfreich, einfach zuzuhören. So könne sich das Gegenüber selbst regulieren und eine passende Lösung finden.

Die Krux liegt im Detail

Im Praxisdialog unter der Moderation von Bojana Vukasin (Geschäftsführerin der Pensionskasse der Bank J. Safra Sarasin) stand die Weisung der OAK BV zu Rechtsgeschäften mit Nahestehenden im Zentrum. Lydia Studer (Leiterin Recht OAK BV) erklärte, dass die Weisung nicht jeden Einzelfall regeln könne. Wichtig sei, dass Stiftungsräte möglichst viel offenlegen und begründen. Die OAK BV werde die Umsetzung begleiten. Ergänzende Erläuterungen und Praxisbeispiele seien denkbar, Inspektionen hingegen nicht geplant. Esther Amstutz (Stv. Geschäftsführerin Pensionskasse der Zürich Versicherungs-Gruppe) berichtete über die Umsetzung in der Praxis. Das Erstellen eines Vertragsinventars sei eine Fleissarbeit. Die Knackpunkte lägen oft im Detail: Einzelfragen könnten viel Aufwand verursachen.

Vera haftet nicht

Männer trifft man am Vorsorge-Summit sonst nur am Technikpult oder als Porträts an den Wänden des Zunfthauses. Diesmal war das anders: Für die kurzfristig erkrankte Annabelle Bürkle von PwC sprangen Mia Mendez und Jan Koller ein. Anhand von Kurzvideos stellten sie den KI-Avatar Vera als virtuelles Stiftungsratsmitglied vor. Künstliche Intelligenz kann Stiftungsräte unterstützen, aber nicht ersetzen. Vera haftet nicht für ihre Empfehlungen – und diese können in die Irre führen.

Moderatorin Svenja Schmidt fasste die Beiträge auf originelle Weise zusammen. Beim anschliessenden Netzwerk-Apéro hatten die Teilnehmerinnen Gelegenheit, Dahindens Rat gleich umzusetzen: zuhören und den Fokus öffnen.

Fotos: Regina Dinally

Das Veranstaltungsteam besteht aus vps.epas, Kate Kristovic, Svenja Schmidt, Isabelle Vetter und Lea Keller. Unterstützt wird der Anlass von den Gönnerinnen Sammelstiftung Vita, Vontobel, soacho GmbH und Libera.

Das nächste Vorsorge-Summit findet am 18. Mai 2027 statt.