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Geopolitik ist Trump(f), der Russ im Land «Is real»

Unschön sind sie fast durchs Band, die geopolitischen Ereignisse der jüngeren Zeit. So unschön, dass sogar ich als News-Junkie gewisse Nachrichten mittlerweile schlichtweg ignoriere. Aber darf man als für die Kapitalanlage einer Pensionskasse verantwortliche Person Nachrichten einfach nicht beachten? Welchen Einfluss sollen geopolitische Ereignisse auf Anlageentscheide haben?

24.06.2024
Lesezeit: 3 min

Wenn es um das Verwalten von Vermögen geht, halte ich mich ans Sprichwort des griechischen Politikers und Feldherrn Perikles: «Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf die Zukunft vorbereitet zu sein.» Insofern bin ich ein Anhänger von strategischen, langfristig geltenden Anlageentscheiden und weniger von taktischen, von Marktprognosen abhängigen Positionierungen.

Die Ausbreitung kriegerischer Auseinandersetzungen und das laute Säbelrasseln einzelner Länder haben nun aber durchaus das Potenzial, langfristige Auswirkungen für die Kapitalanlage zu haben. Wirtschaftssanktionen und Handelsbeschränkungen drohen den Globalisierungstrend der vergangenen Jahrzehnte zu stoppen, ja sogar rückgängig zu machen. Die Preise für fast alle Güter und Dienstleistungen dürften dadurch steigen, insbesondere auch diejenigen für Rohstoffe. Gewisse Produkte könnten vorübergehend oder gar für immer vom Markt verschwinden.

Tatsächlich sieht das wirtschaftliche Bild aber (noch) gar nicht so schlecht aus, im Gegenteil. Ausser während der Dotcom-Blase 2001, der Finanzkrise 2008/2009 und der Coronapandemie 2020 nahmen die weltweiten Exporte stets zu. Von der heraufbeschworenen Deglobalisierung findet sich also noch keine Spur. Die Aktien der Industrieländer notierten Ende März auf ihrem Allzeithoch. In den letzten drei Jahren entwickelten sich die Aktien aus Schwellenländern zugegebenermassen nicht so erfreulich wie diejenigen aus den Industriestaaten. Sie notieren rund 20% unter ihrem Anfang 2021 erreichten Höchststand. Interessanterweise hat aber die geplatzte Immobilienblase in China, die keine geopolitische Ursache hatte, mehr zur negativen Performance beigetragen als die aufgrund der Sanktionen komplett abgeschriebenen Aktien russischer Unternehmen.

Wer aus geopolitischen Gründen von Investitionen in chinesische Wertpapiere gänzlich abrät, verkennt den Effekt der weltweiten Vernetzung. Wenn es tatsächlich zu einem «taiwahnsinnigen» Ereignis kommen sollte, verlören die Schweizer Pensionskassen mit Sicherheit mehr Geld mit ihren Beteiligungen an Apple, Tesla, deutschen Automobilherstellern, Pharmaunternehmen und so weiter und so fort als mit ihren in Schanghai und Hongkong gehandelten Aktien. Auch ein Blick auf die israelische Aktienbörse verrät kaum etwas vom Schrecken der dortigen humanen Tragödien.

Kann es sein, dass die täglichen pessimistischen Nachrichten unseren Blick auf die Weltwirtschaft trüben? Oder sind die Märkte nicht mehr effizient, marginalisieren also die geopolitischen Gefahren?

Wenn wir die Entwicklung des Goldpreises als Gradmesser für die geopolitische Befindlichkeit beiziehen, sieht es etwas anders aus. Er ist jüngst auf ein Allzeithoch geklettert. Dies unter anderem, weil die chinesische Zentralbank das Edelmetall gleich tonnenweise kaufte, vermutlich, um weniger abhängig vom US-Dollar zu sein und so den Effekt möglicher Sanktionen zu dämmen. Vielleicht geht es den Chinesen nicht (nur) um Taiwan, sondern auch einfach darum, den Amerikanern nicht alle Trump(f)karten zu überlassen.

Was also gilt es beim Investieren eines Pensionskassenvermögens angesichts dieser Sachlage zu beachten? Es reicht offensichtlich nicht, die nächste geopolitische Katastrophe richtig vorauszusagen. Es gilt vielmehr, deren Auswirkungen auf die globalen Aktienkurse, Rohstoffpreise und Schuldpapiere korrekt zu prognostizieren. Ein Ding der schieren Unmöglichkeit. Folglich hält man sich wohl am besten an die Weisheit, nicht alle Eier in einen Korb zu legen und die Investitionen wie eh und je gut zu diversifizieren. Einzelne Ereignisse sollten nicht gleich einen Flächenbrand im Anlagevermögen auslösen können.

Ich sehe mich darin bestätigt, nicht alle pessimistischen Nachrichten konsumieren zu müssen. Es bleibt zu hoffen, dass uns die «Iranie» des Schicksals nicht eines Tages einholt.