Oder warum die Entscheidung zwischen WG und Seniorenheim schwierig sein kann | Schweizer Personalvorsorge
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Echt jetzt?

Oder warum die Entscheidung zwischen WG und Seniorenheim schwierig sein kann

Es gibt in der Schweiz zwei Dinge, die man bestimmt nicht allein macht: Raclette essen und Vorsorge betreiben. Beim Raclette sind in der Regel mehrere Käsejunkies und ein überforderter Tischgrill involviert. Bei der Vorsorge heissen die Käsejunkies Kollektiv. Der überforderte Tischgrill heisst Vorsorgeeinrichtung und ist selbstredend kein bisschen überfordert.

18.02.2026
Lesezeit: 3 min

Bei Tischgrills wie Vorsorgeeinrichtungen gibt es verschiedene Modelle, die sich am Beispiel verschiedener Wohnformen gut veranschaulichen lassen: Da ist einmal das Leben im Singlehaushalt. Diese Wohnform ist einerseits kostspielig, weil alle Anschaffungen allein getätigt und auch alle laufenden Kosten allein getragen werden müssen. Andererseits kommt diese Wohnform nahezu ohne Kompromisse aus: Küche pink? Küche pink. Das Leben im Singlehaushalt bietet also grossen Entscheidungs- und Gestaltungsfreiraum, der allerdings seinen Preis hat.

Übertragen auf die 2. Säule würden wir hier von einer autonomen Vorsorgeeinrichtung sprechen: Das Unternehmen definiert quasi als Single autonom für sich, was und wie es seine Vorsorge haben möchte, und trägt alle damit einhergehenden Kosten allein. 

Wer - wenn nicht die 2. Säule - macht einem im Alter von zarten 25 Jahren bereits Versprechen und Verheissungen für den letzten Lebensabschnitt? Das ist Treue auf institutionellem Niveau.

Allem Singledasein zum Trotz fehlt es übrigens auch hier nicht an Romantik. Echt jetzt? Echt jetzt. Denn wer - wenn nicht die 2. Säule - macht einem im Alter von zarten 25 Jahren bereits Versprechen und Verheissungen für den letzten Lebensabschnitt? Das ist Treue auf institutionellem Niveau. Man zahlt jahrzehntelang ein, vertraut blind auf Zins und Zinseszins – und hofft, dass der Umwandlungssatz nicht weiter schmilzt wie Käse im Racletteofen. Womit wir wieder beim Thema wären. 

Die Sammelstiftung als „WG der 2. Säule“…

Als nächstes wäre da das Leben in einer Wohngemeinschaft. Staubsauger und Pfannen sind vorhanden und werden genau wie Bad und Küche geteilt, was üblicherweise gewisse Regeln zur Kühlschrankhygiene sowie einen Putzplan erforderlich macht. Küche pink? Vielleicht nach viel Alkohol und Überredung, aber eher unwahrscheinlich. Das eigene Zimmer froschgrün und Pizza zum Frühstück? Klar doch. In der Welt der 2. Säule wäre dies vergleichbar mit einer Sammelstiftung: Alle haben was davon, dass die Kosten günstiger sind, jedes mitbewohnende Unternehmen hat gewisse Freiheiten, manches liegt aber – auch aus Rücksicht auf die anderen Mitbewohnenden – einfach nicht drin.

Mit einem Augenzwinkern betrachtet ist die Sammelstiftung das perfekte Abbild der Schweiz: föderal, pragmatisch und ein bisschen kompliziert. Jede angeschlossene Firma hat ihr eigenes Vorsorgewerk, ihre eigenen Parameter, oftmals sogar ihr eigenes Reglement – und doch wohnen alle unter einem Dach.

Und dann wäre da noch das Beispiel vom Leben im Seniorenheim. Da hat zwar jede und jeder ein eigenes Zimmer meist auch mit eigenem Bad, es bleibt dennoch aber nur wenig Platz für private Habseligkeiten und Vorstellungen. Mittagessen täglich um 12 Uhr, Gymnastik am Montag optional, mittwochs frische Bettwäsche. Küche pink? Welche Küche? Ideal für alle, die einen festen Rahmen schätzen, mit wenig Freiraum vorlieb zu nehmen bereit und gleichzeitig froh sind über eine weitreichende Entlastung von Alltagsaufgaben. Die Rede ist hier von den sogenannten Gemeinschaftsstiftungen, bei denen Kosten, Strukturen und Rahmen geteilt werden, wodurch alle Bewohnerinnen und Bewohner Zugang zu Leistungen (sinngemäss Mahlzeiten, Gesundheitsförderung, Wäscheservice) erhalten, die sonst finanziell oder organisatorisch unerreichbar sein dürften.

…bis zum gelungenen Racletteabend

Unternehmen sind nun gefordert und nicht selten auch überfordert auf der Suche nach der richtigen Bleibe für ihre Käsejunkies alias ihr Kollektiv: Autonomie, Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung? Kollektives Sicherheitsbedürfnis oder kompromissloser Individualismus? Putzplan oder pinke Küche?

Letztlich dürfte für die Wahl des richtigen Vorsorgemodells gelten, was auch für gelungene Racletteabende gilt: Wenn’s richtig gut ist, dann zieht sich’s.