Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit | Schweizer Personalvorsorge
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Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit

20.05.2024
Lesezeit: 2 min

Eine von Raiffeisen durchgeführte repräsentative Umfrage bei Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung von einer Frühpensionierung träumt, sich diese aber nicht leisten kann. Während mehr als 50% der Befragten (im Alter von 20, 30, 40 oder 50 Jahren) eine Frühpensionierung wünschen, geben nur 10 bis 20% der Befragten an, diesen vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben konkret (d.h. finanziell) zu planen.

Die Schweizer sind zwar OECD-Spitzenreiter bei der Sparquote, sind sich aber nicht bewusst, dass diese heute bei weitem nicht ausreicht, um eine Frühpensionierung zu ermöglichen.

Die Wahrheit ist, dass ausserhalb des kleinen Kreises der Vorsorgespezialisten nur ein minimaler Teil der Bevölkerung unser Vorsorgesystem versteht, was man davon erwarten kann und was illusorisch ist, davon zu erwarten. Dies ist ein gesellschaftliches Problem, umso mehr seit die Zinsen kontinuierlich gesunken sind. Das Vertrauen in die 2. Säule hat stark gelitten.

Die Raiffeisen-Umfrage zeigt einmal mehr, dass das Verständnis für die 2. Säule in allen Altersgruppen dringend verbessert werden muss, insbesondere bei denjenigen, die selbst vorsorgen. Dies gilt insbesondere für die Frauen, die aufgrund ihrer häufig unterbrochenen Erwerbsbiografien eine Vorsorgelücke aufweisen, die es zuerst zu schliessen gilt, bevor sie eine Frühpensionierung ins Auge fassen.

Heute werden von Fachleuten und anderen Dienstleistern immer mehr thematische Konferenzen und Webinare zur Sensibilisierung für die berufliche Vorsorge angeboten, um den Bereich der Vorsorge populärer und zugänglicher zu machen. Die Wiederherstellung des Vertrauens in unser Vorsorgesystem hängt davon ab. Wir alle haben die Pflicht, uns daran zu beteiligen.

In der Tat besteht ein eklatanter Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit, wie er von den Befragten der hier zitierten Umfrage zum Ausdruck gebracht wird, die a priori einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellt, trotz einer erklärten Verzerrung zugunsten des höheren Bildungsniveaus

Wir mĂĽssen es dringend wĂĽnschenswert (und ĂĽberzeugend) machen, nach 60 Jahren zu arbeiten!

Es macht mich zutiefst betroffen, dass die Bevölkerung davon träumt, vor 65 Jahren aufzuhören zu arbeiten, während die Politiker (auf einer bestimmten Seite des Spektrums) und alle Vorsorgetechnokraten stur darauf beharren, dass wir länger und wahrscheinlich sogar über 65 Jahre hinaus arbeiten müssen und werden. Denn sowohl für das finanzielle Gleichgewicht der AHV als auch für die Aufrechterhaltung unserer florierenden Wirtschaft müssten die Talente (und alle anderen) länger aktiv bleiben. Wir müssen es dringend wünschenswert (und überzeugend) machen, nach 60 Jahren zu arbeiten!

Ist die 2. Säule dank ihres Kapitaldeckungsverfahrens nicht besser gestellt als die AHV? Grundsätzlich geht man davon aus, dass sie resilienter gegenüber der demografischen Alterung ist. Das ist richtig, solange diese die Wirtschaft und damit die Rentabilität der Anlagen der Pensionskassen nicht beeinträchtigt.