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Oder warum man sich nicht zum Bambi machen lassen sollte

08.07.2024
Lesezeit: 3 min

Meine Laufbahn im Universum der Anzugträger (gendern damals wie heute eigentlich unnötig) begann als Projektleiterin. In meinen ersten Projektberichten verwechselte ich noch Vorsorgeeinrichtung und Versorgungseinrichtung (respektive liess ich die Autokorrektur unkorrigiert gewähren) und schrieb vom «sogenannten Experten». Au Backe! (Wobei mich just der Gedanke beschleicht, dass meine anfänglichen Berichte möglicherweise lediglich fachterminologisch falsch gewesen sein könnten.) Damals wie heute ging es um Vorsorge und Renten, nur dass mir als Küken, wie ein Vorgesetzter mich (drei runden Geburtstagen und einem Doktortitel zum Trotz) gern zu titulieren pflegte, alle Akteure bereits den Rentnern zugehörig schienen, obwohl sie es auch heute erst teilweise sind.

Passive Aktive

Eines meiner frühen Projekte also war im Asset Management angesiedelt. Das ist der Teilbereich der Vorsorgewelt, der die Beiträge der Versicherten am Finanzmarkt platziert, um sie nach Möglichkeit zu vermehren. Möglich war das damals noch vergleichsweise einfach, meine Zeit als Projektleiterin fällt in die Ära vor Tief- und Negativzinsen. Deshalb darf man sich auch nicht davon beeindrucken lassen, dass das Asset Management gerne vereinfachend als die Aktivseite (im Gegensatz zur Passivseite) einer Pensionskasse bezeichnet wird. Diese Bezeichnung hat nichts mit dem Aktivitätsniveau der involvierten Personen zu tun. Vielmehr ist der Begriff Aktivseite für den Anlagebereich einer Pensionskasse auf den Umstand zurückzuführen, dass die Beiträge, die von den Arbeitnehmenden und den Arbeitgebenden einbezahlt werden, als Vermögen in die Aktivseite der Bilanz einer Pensionskasse fliessen.

Die Bezeichnung Aktivseite hat nichts mit dem Aktivitätsniveau der involvierten Personen zu tun.

Die sogenannte Passivseite einer Pensionskasse umfasst analog dazu also deren Verpflichtungen gegenüber Rentenbeziehenden wie auch Versicherten. An einem späteren Punkt meiner Laufbahn, als ich längst selbst Anzugträgerin und für die Passivseite einer Pensionskasse zuständig war, fand mein damaliger Kollege, der als Leiter Anlagen für die Aktivseite selbiger Pensionskasse verantwortlich war, dafür ebenso einfache wie einprägsame Worte. Er (Aktivseite) sorge dafür, dass genug Geld da sei, damit ich (Passivseite) es ausgeben könne, pflegte er bei der Einführung neuer Mitarbeitenden lapidar zu sagen.

Aktive und passive Fehlschlüsse

Obwohl die Aktivseite der Pensionskasse sich also um das Anlegen kümmert, darf nicht fälschlich darauf geschlossen werden, dass es sich um aktive Anlagen handelt. Von aktiven Anlagen spricht man, wenn jemand (also beispielsweise ein Anlagespezialist oder eine Anlagespezialistin) einen besseren Anlageerfolg (im Anzugträgersprech eine bessere Performance) zu erzielen versucht als im Marktschnitt. Es wird also versucht, den Markt zu schlagen. Was gewalttätig tönt, geschieht völlig friedfertig durch die gezielte Auswahl von besonders erfolgversprechenden Wertpapieren und deren Kauf bzw. Verkauf zum besten Zeitpunkt. Passive Anlagen wiederum folgen der Überzeugung, dass Kursveränderungen nicht prognostizierbar sind, der Markt also nicht systematisch geschlagen werden kann. Stattdessen bilden passive Anlagen den Markt ab und folgen dessen Entwicklungen. Mit der Passivseite der Pensionskasse hat das also rein gar nichts zu tun.

Verwirrung komplett? Stellen Sie sich nur vor, wie es einer erging, die in ihren Berichten Vorsorge- und Versorgungseinrichtung verwechselte! Ich taperte durch dieses Asset Management Projekt, staunend wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum. Vielleicht würde ich allem Aktiven und Passiven noch immer mit den ungläubig aufgerissenen Augen eines jungen Rehs begegnen, hätte mich nicht ein Kollege zur Seite genommen und mir den alles entscheidenden Anlagetipp gegeben. «Eigentlich ist das alles ganz einfach», sagte er, «aber es braucht uns nur, solange das niemand weiss und versteht.»   Echt jetzt? Echt jetzt.