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Kommentar

Mehr Rendite? Aber sicher!

Die Methode, nach der der Amerikanische Präsident die Welt täglich verstört, wird auch "Taco" genannt. Es steht kurz für das hektische Herumhühnern, die konsequente Inkonsequenz und systematische Grosstuerei. Eigentlich genau das Gegenteil einer guten Anlagetaktik.

18.06.2026
Lesezeit: 3 min

Es ist erstaunlich, vor allem aber beängstigend, wie ein einzelner Mensch die Weltwirtschaft und die globale Sicherheitslage derart stark beeinflussen kann, wie es der derzeitige Präsident der USA tut. Sein Handeln, ja nur schon seine Social-Media-Posts können die Aktien-, Rohstoff-, Zins- und Devisenmärkte in helle Aufruhr versetzen. Offensichtlich gibt es Individuen aus dem innersten Zirkel der US-Regierung, die in Vorkenntnis von geplanten trumpschen Aktionen Wetten abschliessen und damit Profite in Millionenhöhe ergaunern. Das riecht nach klassischem Insider-Handel, der unter der aktuellen Administration wohl eher unter dem Tisch als rechtsstaatlich aufgearbeitet im Gerichtssaal landet.

Man muss aber keineswegs Insiderwissen haben, um von Trumps Taco1-Politik profitieren zu können. Schweizer Pensionskassen können dies ganz legal und systematisch tun. Bereits vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle unter dem Titel «Ohne Pathos durchs Zollchaos» über die Anlagetaktik in unsicheren Zeiten geschrieben. Damals hätte ich wohl kaum gedacht, wie gut das weiterhin funktionieren wird. Deshalb hier nochmals das sichere Erfolgsrezept:

Beim Bestimmen der Anlagestrategie beschliesst der Stiftungsrat auch über die Bandbreiten, innerhalb deren die einzelnen Anlagekategorien sich befinden müssen. Damit das vorliegende Rezept seine optimale Wirkung erzielen kann, sollten sie nicht zu breit definiert werden. Bei einer Quote für Aktien Global von 25 % sollte sie nicht breiter als 22.5 bis 27.5 % oder bei einer Aktien-Schweiz-Quote von 10 % nicht breiter als 9 bis 11% sein. So ist gewährleistet, dass es bei einem Rückgang oder einem Anstieg der Börse um 10% zu einem Rebalancing kommt (vorausgesetzt, die Bewertung der anderen Anlagekategorien hat sich nicht auch wesentlich verändert).

Die Nachrichten können Ihnen fürs Portfoliomanagement völlig egal sein.

Ich rate von periodischen (bspw. monatlichen) Rebalancings ab. Kaufen Sie Aktien nach, wenn ein Unterschreiten der unteren Bandbreite droht, respektive verkaufen Sie kurz vor Erreichen der oberen Bandbreite, und zwar immer so viel, dass die strategische Quote wiederhergestellt ist. Hören Sie auf zu versuchen, den Markt zu prognostizieren. Spätestens im Verlauf des letzten Jahres sollte es allen gedämmert haben, dass sie weder die Launen und Ideen von Trump noch die Widerstandsfähigkeit von Kriegsparteien, geschweige denn die Auswirkungen der Geschehnisse auf die Aktienbörsen, prognostizieren können. Halten Sie sich mit Ihrer Pensionskasse also stur an das regelbasierte Rebalancing, bei dem Sie erst Transaktionen auslösen, wenn die Verletzung einer Strategiebandbreite droht.

Diese Methodik führt zu einer sicheren Mehrrendite der Vermögensanlage gegenüber der Strategie-Benchmark. Je mehr Taco (Volatilität an den Börsen), desto mehr Rendite. Und weil Sie regelbasiert arbeiten, schonen Sie Ihre Nerven. Zugegeben, die Anlageausschusssitzungen werden dadurch etwas langweiliger, denn Sie müssen sich im Gremium nicht mehr darauf einigen, in welche Richtung sich die Börsen demnächst bewegen könnten. Die Nachrichten können Ihnen fürs Portfoliomanagement völlig egal sein. Sie konzentrieren sich einzig und alleine auf das Einhalten der Strategie-Benchmarks und das Ausführen von Transaktionen, sobald sie angezeigt werden. Dieser Effekt ist auch unter «mean reversion» oder zu Deutsch «Rückkehr zum Mittelwert» bekannt. Gegenüber einer periodischen (monatlichen oder quartalsweisen) Rebalancing-Methode verursacht der im Text beschriebene Ansatz geringere Transaktionskosten.

Paradebeispiele für das gute Funktionieren dieses Rebalancing-Rezepts sind die Euro-Krise im Januar 2015 oder die Covid-Krise 2020. Damals hätten Sie Aktien im März gekauft und sie Ende April mit gutem Profit gleich wieder verkauft. Sie hätten vermutlich Ende 2021 Aktien verkauft, bevor die Börsen 2022 infolge der stark steigenden Inflation an Wert einbüssten. Spätestens nach Trumps «Liberation Day», so um den 9. April 2025, hätten Sie Aktien gekauft und diese zufälligerweise, einfach weil die Börsen gerade boomten, Ende Februar 2026 unmittelbar vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs wieder verkauft.

Wie Sie lesen können, funktioniert diese Methodik auch ohne Trump und doppelten Boden, mit der amerikanischen Taco-Politik aber umso besser.

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Mit Taco sind nicht die gefüllten mexikanischen Tortillas, sondern Trumps Taktik, radikale Aktionen anzukündigen, um sie kurz darauf zu relativieren bzw. zurückzunehmen, gemeint. Taco steht in dem Zusammenhang für «Trump always chickens out».