Wem gehört das Glück?
Unerwartetes Geld ist eine seltsame Sache. Es kommt ohne Ankündigung – und mit einer Frage, die niemand bestellt hat.
WeiterlesenIn der 2. Säule wimmelt es von Stolpersteinen und Fallstricken. Die Hürde mit der grössten Bedeutung allerdings ist die Eintrittsschwelle.
Die Eintrittsschwelle lässt sich exakt bezeichnen: Sie liegt derzeit gemäss BSV bei 22 680 Franken. Das heisst, dass man als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin jährlich mehr als diesen Betrag verdienen muss, um obligatorisch in der beruflichen Vorsorge versichert zu werden. So weit, so simpel.
Die Eintrittsschwelle gibt aber immer wieder zu Reden. So auch im letzten grossen Reformprojekt der beruflichen Vorsorge, der Reform «BVG-21», die im Frühjahr 2023 verabschiedet worden war. Lange wurde damals zwischen den Räten im Bundeshaus um diesen Wert gefeilscht. Schliesslich einigte sich das Parlament auf eine minime Senkung der Schwelle. Neu sollte sie bei 19 845 Franken zu liegen kommen. Ein gut schweizerischer Kompromiss. Wobei das Stimmvolk am 22. September 2024 die ganze Reform mit einem Nein ablehnte und damit auch alle Diskussionen um die Eintrittsschwelle beendete.
Radikale Ansätze sind in der 2. Säule selten, das BVG ist ein typisches Flickwerk. Trotzdem sei die Frage erlaubt, warum die Eintrittsschwelle so wichtig ist, dass man sie nicht einfach streicht?
Vorweg: Es hat mit den Kosten zu tun. Politisch gewünscht ist, mehr Menschen zu versichern, was allerdings immer auch einen administrativen Aufwand und entsprechende Kosten für Arbeitgeber (Lohnnebenkosten!) und Arbeitnehmende (Abzüge!) bedeutet.
Deshalb der Streit um diese Grösse. Kurz: Je mehr Leute versichert sind, desto teurer ist eine Sozialversicherung. Eine ähnliche Debatte kennen wir um den Koordinationsabzug, einer verwandten Masszahl. Dieser ist heute fix bei 26460 Franken.
Gemäss dem gescheiterten Reformprojekt «BVG-21» sollte er 20 % des AHV-Lohns betragen. Dies hätte die Diskriminierung von tieferen Löhnen und Teilzeitpensen gemindert.
Die Frage, ob es wirklich zwei verschiedene Werte für Eintrittsschwelle und Koordinationsabzug braucht, sprengt die Welt der 2000 Zeichen. Illustriert sei zum Schluss aber, wie wichtig die Eintrittsschwelle insbesondere für Mehrfachbeschäftigte ist: Wer heute in zwei Pensen je 20 000 Franken verdient, fällt durch alle Maschen der 2. Säule. Darum sah die letzte BVG-Reform vor, dies zu ändern. Ob die Person dies wünscht oder nicht, ist aber wieder eine andere Frage.
Unerwartetes Geld ist eine seltsame Sache. Es kommt ohne Ankündigung – und mit einer Frage, die niemand bestellt hat.
WeiterlesenAls ich das Thema für diesen Text genannt bekam, dachte ich spontan: "Besser künstliche Intelligenz bei Pensionskassen, als keine.“ Das darf ich natürlich auf gar keinen Fall so schreiben und schon gar nicht an den Anfang meines Textes stellen, aber wir sind ja zum Glück unter uns.
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Die Eintrittsschwelle