Wenn die Lemminge nicht ins Verderben rennen | Schweizer Personalvorsorge
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Wenn die Lemminge nicht ins Verderben rennen

Ein Grundlagenirrtum liegt vor, wenn man beim Abschluss eines Vertrags von Annahmen ausgehen durfte, die sich im Nachhinein als Irrtum herausstellen (Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR). Ein ähnliches Verdikt drängt sich auf, wenn man die Ausführungen der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zur Rolle der Investment Consultants in ihrer jüngsten Pensionskassenstudie unter die Lupe nimmt.

20.07.2026
Lesezeit: 2 min

Dort wurden die teilnehmenden Kassen erstmals befragt, ob und falls ja, von welchem Investment Consultant sie sich beraten lassen. In der Auswertung hält die ZKB fest, dass sich der Markt auf ein paar wenige Anbieter konzentriere und die Vorsorgeeinrichtungen ihre Beraterinnen und Berater nur selten wechseln würden (S. 12). Gegen diese reine Marktstatistik ist wenig einzuwenden.

Darüber hinaus stellt die Bank fest, dass «die langjährige Beziehung die Anlagestrategie der Kassen prägen [dürfte]» (S. 12) und verweist auf geringe Unterschiede in der durchschnittlichen Asset Allocation. Daraus leitet sie die These ab, dass es sich quasi um einen Lemming-Effekt handeln müsse, wonach die Beratergilde wie die Nagetiere blind einfach der Masse folgt. Mit Erstaunen doppelt sie nach, dass sich «keine wesentlichen Unterschiede bei den Nettorenditen zeigen» (S. 12).

Damit kommt der Grundlagenirrtum ins Spiel. Denn hinter diesen Aussagen steckt fälschlicherweise die Annahme, dass ein Investment Consultant die Anlagestrategie und die Rendite einer Pensionskasse individuell beeinflusse. Wäre das tatsächlich der Anspruch, müssten die Beraterinnen und Berater je nach Formstand der Kasse lediglich höhere Risiken empfehlen. Dann könnten bei effizienten Kapitalmärkten auch höhere Renditen abgeschöpft werden und die Beratung wäre – so gemessen – erfolgreich. Die Auswertung der ZKB zeigt aber offensichtlich kein solches Verhalten der Fachleute.

Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, wobei zwei Faktoren besonders hervorstechen. Zum einen gehört es zu den unentziehbaren Aufgaben des obersten Organs, die Anlagestrategie festzulegen und damit deren Chancen und Risiken abzuwägen. Ein Investment Consultant soll also nicht eigenmächtig an der Strategie oder Rendite schrauben, sondern das oberste Organ bei genau dieser Aufgabe unterstützen. Die externe Stimme wird dabei weniger einen Anlageentscheid präjudizieren als die Governance der Kasse aufgrund einer anderen Perspektive stärken.

Zum anderen muss der Zusammenhang von Asset Allocation, Performance und Verwaltungskosten genau durchleuchtet werden. In den Detailauswertungen der ZKB-Studie zeigt sich zwar zunächst ein erstaunliches Bild: Vorsorgeeinrichtungen mit externer Beratung weisen im Durchschnitt tatsächlich eine höhere Obligationenquote und tiefere Anteile an alternativen Anlagen auf. Allerdings erzielen sie damit, wie in der Studie ebenfalls bestätigt, eine ähnliche Performance – jedoch zu signifikant tieferen Kosten. Daraus kann man, je nach Intention, zwei Maximen ableiten: Entweder erreicht eine Pensionskasse, deren oberstes Organ sich beraten lässt, die gleiche Rendite bei tieferem Risiko und geringeren Kosten. Oder die gleiche Pensionskasse kann höhere Risiken eingehen und damit potenziell eine zusätzliche Rendite erzielen, allerdings zu höheren Kosten. Die ZKB proklamiert Letzteres. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.