Vorsorge-WM 2026: K.o.-Phase ohne die Schweiz! | Schweizer Personalvorsorge
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Vorsorge-WM 2026: K.o.-Phase ohne die Schweiz!

Es ist Frühsommer 2026, und die ASIP-GV steht in meiner Agenda. Business as usual, so denke ich. Was ich an diesem Morgen nicht für möglich gehalten hätte: Die Veranstaltung wird meinen Glauben an das Schweizer Drei-Säulen-Modell in seinen Grundfesten erschüttern.

03.09.2026
Lesezeit: 3 min

Für das Keynote-Referat war der Finne Matti Leppälä eingeladen, Generalsekretär und CEO von Pensions Europe, dem europäischen Pendant zum ASIP. Sein ­Referat nahm Bezug zur Mercer-Studie Global Pension Index 2025. Darin wurden die Altersvorsorgesysteme von 52 Ländern weltweit unter die Lupe genommen, von A wie Argentinien bis V wie Vietnam. Ich freute mich insgeheim schon auf einen Schweizer Podestplatz. Aber weit gefehlt.

Die Schweiz rangiert weder in den Top Ten, noch hat sie das A- oder B+-Rating erhalten. Vor der Schweiz liegen die Niederlande, Island, Dänemark, Singapur, Israel (Note A) sowie Schweden, Australien, Chile, Finnland und Norwegen (Note B+). Die Schweiz rangiert mit der Note B gerade mal auf dem elften Rang. Gäbe es eine Vorsorge-WM, hätten wir uns – im Gegensatz zu unseren Fussballern – nicht fürs Viertelfinale qualifiziert.

Da ich die Studie zugegebenermassen bis heute nicht kannte, wollte ich auch wissen, seit wann es sie gibt und wie sich die Schweiz über die Jahre entwickelt hat. Wie ich befürchtet habe, wurde die Schweiz seit 2009 sukzessive nach hinten durchgereicht. Zu Beginn waren wir noch Vize-Weltmeister, knapp geschlagen von den Niederlanden. 

Zurück zur aktuellen Studie. Wenig schmeichelhaft ist die Benotung bei der Angemessenheit, die mit 40% am höchsten gewichtet ist und wo die Schweiz den lausigen Rang 26 einnimmt. Unter Angemessenheit werden in der Studie das Leistungsniveau, die Ausgestaltung des Vorsorgesystems sowie der Einbezug von privater und staatlicher Altersvorsorge subsumiert. Also genau jene Elemente, die das Schweizer Drei-Säulen-Modell eigentlich unschlagbar machen sollten.

Man könnte es sich einfach machen und die Studie schlechtreden. Und ja, es gibt durchaus Schlussfolgerungen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Zum Beispiel scheinen die Autoren unseren Föderalismus nicht verstanden zu haben. Zumindest bezweifle ich, dass durch eine weitere Konsolidierung des Pensionskassenmarkts per se eine Effizienzsteigerung in der Schweizer Altersvorsorge erzielt werden könnte. Die Pièce de Résistance ist dieser Punkt in der Studie allerdings nicht.

Statt sich im Selbstmitleid zu suhlen oder die anderen schlechtzureden, lohnt es sich, interessiert über die Grenze zu schauen und von den Besten zu lernen. Wieso werden die Länder mit einer A-Benotung als robuste Systeme mit guten Leistungen, hoher Nachhaltigkeit und hoher Integrität und die Schweiz gerade mal als System mit solider Struktur und guten Merkmalen eingestuft? Und weshalb geht es für die Schweiz seit Jahren in die falsche Richtung? 

Der Vorsorge-Weltmeister von damals wie heute, die Oranje, haben es im Gegensatz zur Schweiz geschafft, in den letzten Jahren ihr Vorsorgesystem permanent zu erneuern. Linke und Rechte haben sich zusammengerauft und vernünftige Branchen- und Gesamtarbeitsverträge ausgehandelt. In der AOW (dem Pendant zur AHV) ist aktuell ein Referenzalter von 67 Jahren festgehalten (ab dem Jahr 2028 steigt es auf 67 Jahre und 3 Monate), das alle 5 Jahre aufgrund der effektiven Lebenserwartungen angepasst werden kann. Die Leistungen sind zwingend als Rente zu beziehen – erst ab 1. Januar 2029 wird ein Kapitalbezug von maximal 10% (ja: zehn Prozent) eingeführt.

Was also ist zu tun, damit die Schweiz künftig wieder unter den besten acht an der Vorsorge-WM spielt?

Wie wäre es beispielsweise, wenn die Linke endlich grünes Licht für eine Anpassung des starren Referenzalters 65 an die steigende Lebenserwartung gäbe und die Rechte im Gegenzug darauf verzichtete, die berufliche Vorsorge mit weiteren Forderungen nach Individualisierung zu belasten? Bestimmt würde es auch helfen, die besten Leute von beiden politischen Lagern mit der Erneuerung des Schweizer Drei-Säulen-Modells zu betrauen, mit dem klaren Ziel, sich spätestens in vier Jahren wieder für das Viertelfinale der (Vorsorge-)WM zu qualifizieren. So wie es die Schweizer Fussballer in diesem Sommer und die AHV- und BVG-Pioniere vor über 50 Jahren geschafft haben.