Oder warum beim Arbeiten im Superlativ keine Rente rausspringt | Schweizer Personalvorsorge
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Oder warum beim Arbeiten im Superlativ keine Rente rausspringt

Das Leben hält sich nicht immer an die Pläne, die wir machen. Meistens kommt es auch anders, als man es sich ausmalt. Das Beispiel "Emil" zeigt typisch, wie atypisch eine Karriere verlaufen kann.

17.06.2026
Lesezeit: 3 min

Es ist noch nicht lange her, da erschien der Kinofilm „Typisch Emil“ über den Schweizer Kult-Kabarettisten Emil Steinberger. Obschon das „Typisch“ prominent im Filmtitel prangt, ist die Biografie des Protagonisten doch vor allem eines: atypisch.

Bühnenauftritte, Zirkustournee, Theaterdirektion und Kinoleitung, Grafikbüro und Regieführung, Auszeit in New York und Buchpublikationen, alles keineswegs säuberlich seriell, sondern im ständigen Wechselspiel und Werden - Steigenbergers Erwerbsbiografie dürfte die Vordenker der 2. Säule noch im Grab zum Nachdenken bringen. Echt jetzt? Echt jetzt.

Atypisch ist alles, was nicht typisch ist

Typisch nämlich geht so: Aufstehen, Zmorge, Stau oder stoh, Znüni im Gschäft, Zmittag, Zvieri, Stau oder stoh, Znacht, Licht ab, Aufstehen und wieder von vorn. Typisch ist darum auch: Ein Arbeitgeber, eine Pensionskasse, eine Eintrittsschwelle, ein Koordinationsabzug, ein Sparbeitrag, ein Risikobeitrag - und am Ende des Arbeitslebens dann eine Rente.

Atypisch ist alles, was nicht typisch ist. Also beispielsweise Aufstehen, Zvieri, Stau oder stoh, Znacht im Gschäft, Zmorge im Gschäft, Stau oder stoh, Licht ab, Aufstehen und wieder von vorn. Ein phasenverschobenes Arbeitsleben gewissermassen, dem auch bei Schichtzulagen und Stundenlohn letztlich ein Arbeitgeber, eine Pensionskasse, eine Eintrittsschwelle, ein Koordinationsabzug, ein Sparbeitrag, ein Risikobeitrag und schliesslich eine Rente zugrunde liegt.

Der Komparativ – atypischer – geht dann möglicherweise so: Aufstehen, Zmorge, Stau oder stoh, Znüni im Gschäft, Zmittag im Stau oder im Stoh, Zvieri in anderem Gschäft, Stau oder stoh, Znacht, Licht ab, Aufstehen und wieder von vorn. Bei solch einem Arbeitsleben im Komparativ sind also zwei Arbeitgeber involviert und damit in aller Regel auch zwei Pensionskassen. Da bei beiden Kassen die Eintrittsschwelle genommen und der Koordinationsabzug berücksichtigt werden muss, heisst das am Ende des Arbeitslebens allzu oft keine Rente von beiden Pensionskassen. Wer im Komparativ, also bei mehreren Arbeitgebern, tätig ist, kann verlangen, dass alle Beschäftigungsverhältnisse bei der Stiftung Auffangeinrichtung zusammengefasst werden. Was man wissen und bei seinen Arbeitgebenden durchsetzen muss – weshalb es nur selten gemacht wird. 

Es gibt keine Spielanleitung für das Leben

Der Superlativ – am atypischsten – sieht dann vielleicht so aus: Aufstehen, Zmorge, Call mit Auftraggeber A, Znüni, Konzepterstellung für Auftraggeber B, Zmittag im Stau oder im Stoh, Präsentation bei Auftraggeber C, Zvieri im Stau oder im Stoh, Projektbesprechung online für Auftraggeber A, Znacht, Licht ab – und am nächsten Morgen alles wieder ganz anders. Ein Arbeitsleben im Superlativ, als Freelancerin beispielsweise, umfasst beliebig viele Auftraggeber von verschiedener Dauer und in wechselnder Konstellation. Manchmal berücksichtigen Auftraggeber solche Superlativ-Arbeitenden in ihrer Pensionskasse, manchmal bestehen Lösungen beispielsweise über einen Berufsverband. Meist aber heisst es am Ende eines superlativen Arbeitslebens: keine Rente aus keiner Pensionskasse.

Atypische Arbeitsverhältnisse bewegen sich abseits gängiger Stellenbeschriebe und Beschäftigungen und lassen explizite Spielvorgaben vermissen. Auch über den Kinofilm „Typisch Emil“ ist zu lesen, man habe Steinberger ohne explizite Regieanweisungen vor der Kamera agieren lassen und den Kabarettisten so fernab von den Rollen und Erwartungen der Öffentlichkeit porträtieren können. Vermutlich tun atypisch Beschäftigte also gut daran, sich ein Beispiel an Steinberger zu nehmen, indem sie sich auch mit über 90 Jahren immer wieder neu erfinden und ihr (Erwerbs-)Leben mit viel Schalk und Humor durchlaufen.