Die Frage ist nicht, ob er kommt, die Frage ist, wann | Schweizer Personalvorsorge
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Die Frage ist nicht, ob er kommt, die Frage ist, wann

Crash-Warnungen prominenter Akteure nehmen zu und verweisen auf Übertreibungen im KI-Sektor sowie Risiken im privaten Kreditmarkt. Für Pensionskassen stellt sich damit weniger die Frage nach taktischer Reaktion, sondern nach der Robustheit ihrer langfristigen Anlagestrategie.

12.02.2026
Lesezeit: 3 min

Die Stimmen, die vor einem Crash an den Aktienbörsen warnen, werden immer lauter und prominenter. Wenn Grössen wie Jamie Dimon (langjähriger Chef von J.P. Morgan, der die Finanzkrise 2008 bestens meisterte), UBS-Präsident Colm Kelleher, der Internationale Währungsfonds, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und weitere Schwergewichte der Finanzindustrie vor einem Börsencrash warnen, müssen wir das wohl oder übel ernst nehmen. Aber wie sollen wir uns als Verantwortliche für Pensionskassenvermögen aufgrund dessen verhalten?

Als Hauptgrund für diese Crash-Warnungen werden die astronomisch hohen Investitionen in die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) und die diesbezüglichen gegenseitigen Verflechtungen der Techgiganten genannt. Der KI-Boom führe zu hoch spekulativen Investitionen, die sich auch in ferner Zukunft kaum amortisieren liessen. Es ist aber auch von Exzessen im privaten Kreditmarkt die Rede. Im Zuge der stärkeren Regulierung der Banken sei ein schwach reguliertes, intransparentes und unübersichtliches Schattenbankensystem entstanden. Dies sollte uns hellhörig machen, denn die Investitionen von Schweizer Pensionskassen in alternative Anlagen, insbesondere Private Debt und Private Equity, haben übers letzte Jahrzehnt stark zugenommen. Der Konkurs des Autozulieferers First Brands in den USA im Oktober 2025, von dem auch UBS-Finanzprodukte betroffen waren, ist eine weitere Warnung auf diesem Gebiet gewesen.

Die Geschichte hat uns gelehrt: Börsen-Crashs gibt es immer wieder, und im Nachhinein finden sich stets Zeichen, die unmissverständlich auf sie hingewiesen haben. Auch die erfolgreichen Crash-Warn-Propheten lassen sich im Nachhinein besonders leicht identifizieren. Krisen wiederholen sich jedoch nie identisch. Ihr Eintretenszeitpunkt lässt sich weder aufs Jahr, geschweige denn auf den Monat genau prognostizieren. Wer ein Portfolio auf einen bevorstehenden Crash ausrichtet, riskiert, sehr viel Geld liegenzulassen, bevor der Crash schliesslich eintritt. Und wenn er dann tatsächlich eingetreten ist, muss konsequenterweise der ideale Zeitpunkt gefunden werden, um das Portfolio auf die Erholungsphase auszurichten. Dieser Zeitpunkt ist genauso schwierig zu prognostizieren wie der Crash selbst. Es herrscht dann ein Umfeld von Verun­sicherung, Panik und Risikoaversion. Wer nach hohen erlittenen Verlusten, womöglich in einer Unterdeckung, die Anlagerisiken im Portfolio erhöht, wird von den Aufsichtsorganen und Branchenkollegen eher als unvernünftig denn als mutig angesehen werden.

Als Konklusion plädiere ich einmal mehr dafür, die Anlagestrategie der Pensionskasse auf Jahre und Jahrzehnte, nicht auf Monate auszurichten. Darzulegen, wie sich ein Crash auf das Portfolio, insbesondere auch die illiquiden Anlagen, auswirken könnte, gehört zur Herleitung solch einer Anlagestrategie. Sie sollte so ausgerichtet werden, dass ein Crash nicht zum kompletten finanziellen Desaster für die Pensionskasse werden und zu panikartigem Handeln führen kann. Taktisch die Gewichte der Anlagekategorien je nach Marktprognose zu verschieben, führt langfristig selten bis nie zum Erfolg.

Vor dem Hintergrund der Crash-Warnungen, der geopolitischen Erschütterungen und bestimmt auch der starken Performance in jüngster Zeit haben etliche Pensionskassen Investitionen in Gold und andere Edelmetalle auf- bzw. ausgebaut. Die Meinungen darüber, ob Edelmetalle in ein Pensionskassenportfolio gehören oder nicht, gehen auseinander. Sie werfen keinen Ertrag in Form eines Zinses, einer Dividende oder Miete, keine ökonomisch erklärbare Risikoprämie ab. Dies disqualifiziert sie grundsätzlich als langfristig lukrative Anlagemöglichkeit.

Der Grund, weshalb man trotzdem eine langjährige Anlage in Gold ins Auge fassen kann, liegt in der niedrigen Korrelation des Edelmetalls zu Aktien in Krisenzeiten. Es dient in solchen Momenten als gute Diversifikation. Eine Eigenschaft, die andere risikoarme Anlagen wie Anleihen der Eidgenossenschaft aber durchaus auch erfüllen können. Gold wird oftmals auch als eine Art Währung betrachtet. Eine Pensionskasse, die aus Überzeugung ihre Währungsrisiken voll absichert, aber gleichzeitig in Gold investiert, müsste sich somit dem Vorwurf einer Inkonsistenz in ihrer Anlagephilosophie stellen. Damit wären wir beim Sonderthema des vorliegenden Hefts. Ich wünsche weiterhin ein interessantes Lesevergnügen.