Beteiligung an der BT&T
Die Beteiligungsgesellschaft für Telekommunikation und Technologie (BT&T) ist ein bankenunabhängiges Investmentunternehmen in den Bereichen Telekommunikation, Information, Media und Entertainment mit Sitz in St. Gallen. Die Beteiligungsgesellschaft hat sich auf das Investitionsmanagement in dynamische Wachstumsthemen spezialisiert. Im Verwaltungsrat der BT&T sitzen unter anderem auch die Vertreter zweier Pensionskassen, die ein grösseres Engagement eingegangen sind: die Ascoop und die Berner Lehrerversicherungskasse. Die Kasse der Ascoop verzeichnet anfänglich eine Beteiligung von 9.7 Prozent.
Ende Juni 1995 werden die BT&T-Aktien an der Basler Börse eingeführt. Ihre Performance entwickelt sich enttäuschend: Ende April 1996 verzeichnen sie ein Minus von 3.75 Prozent. Trotzdem stösst die Anlagephilosophie der BT&T in Anlegerkreisen auf grosses Interesse: Innerhalb von kurzer Zeit beschafft die BT&T in drei Kapitalerhöhungsrunden über 500 Mio. Franken frisches Kapital. Auf einen viel versprechenden Start ins neue Millennium folgt jedoch im zweiten Quartal durch einen crashartigen Einbruch der Technologieaktien eine deutliche Abkühlung: Die BT&T muss einen Buchverlust von 811 Millionen hinnehmen. Bezogen auf das Wertschriftenvermögen entspricht dies Ende März 2000 gut 28 Prozent. Wie «Cash» im September 2000 berichtet, stehen jedoch die Aktionäre nach wie vor hinter der BT&T-Anlagestrategie. Sie werden jedoch arg in Mitleidenschaft gezogen: Die Pensionskasse der Berner Lehrer, die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich (BVK) und die Ascoop verzeichnen durch ihr Engagement an der Beteiligungsgesellschaft BT&T, deren Aktienwert um 40 Prozent zusammengebrochen ist, einen Buchverlust von 800 Mio. Franken. Diese Entwicklung ist bezeichnend für Missspekulationen der ganzen Pensionskassenbranche und die negative Entwicklung an der Schweizer Börse: «Tatsache ist […], dass sich die Pensionskassen auf ein höchst riskantes und problematisches Abenteuer eingelassen haben, aus dem sie nur schwer wieder herauskommen.» (Die Weltwoche, 8. Februar 2001). Die Verantwortlichen der betroffenen Pensionskassen spielen allerdings den Schaden herunter: Sie seien immer noch in der Gewinnzone, da sie vor Jahren zu sehr tiefen Preisen einsteigen konnten.
Die oben genannten Pensionskassen besitzen rund ein Drittel der vier Millionen BT&T-Aktien. Ausserdem beteiligten sie sich mit 26 Prozent an der BT&T Asset Management (BAM) und stellen dort je einen Verwaltungsrat. Die BAM verwaltet und legt das Vermögen der BT&T an. «Dieses Doppelengagement entpuppt sich nun als Falle.» (Die Weltwoche, 8. Februar 2001) Die Anlagegesellschaften können der BAM nicht kündigen, weil sie auf mehreren Ebenen mit der BT&T verschweisst sind. Die finanzielle Verstrickung besteht darin, dass 25 Prozent der BT&T-Aktien der BAM gehören. Die Problematik dehnt sich auch auf die Pensionskassenbeteiligungen aus: Wenn ein bezahlter Vertreter einer Vorsorgeeinrichtung auch noch im BAM-Verwaltungsrat Einsitz nimmt und für diese Tätigkeit entlöhnt wird, verliert er seine Unabhängigkeit. Er verfolgt in dieser Situation nicht mehr ausschliesslich die Interessen der Versicherten, die er repräsentiert, sondern auch seine eigenen. Stellt sich die Frage, wie lange das Engagement der Pensionskassen-Manager in der BT&T noch andauern wird.
Fest steht, dass die betroffenen Akteure nach Auswegen aus der Zwickmühle suchen: So hat Mitte 2000 die Pensionskasse der Ascoop 150000 BT&T-Titel ausserbörslich abgestossen und ihr Engagement von 9.7 auf 6.25 Prozent reduziert.
Das Millenniumsjahr ist für die BT&T katastrophal. 2001 zeigt sich nicht wirklich eine Besserung. Das weiterhin schlechte Börsenumfeld im Jahr 2002 verhindert die Rückkehr von BT&T in die schwarzen Zahlen. So fallen die Aktienkurse der meisten Technologiefirmen, in welche die BT&T investiert ist, um rund 60 Prozent. Im Jahr 2000 verzeichnet die BT&T noch eine Börsenkapitalisierung von 3 Mrd. Franken. Zwei Jahre später, Ende 2002, beträgt der Marktwert der zwei zur BT&T gehörenden Gesellschaften, BT&T Time und BT&T Life, nur noch knapp 100 Mio. Franken.
Im ersten Quartal des Jahres 2003 verliert die BT&T Gruppe 40 Prozent an Wert. Damit schneiden die auf Spezialbereiche der Technologiebranche ausgerichteten Anlagegefässe der BT&T Gruppe deutlich schlechter ab als der Index der Technologiebörse Nasdaq.



