Inhaltsverzeichnis der aktuellen «Schweizer Personalvorsorge»
Schweizer Personalvorsorge 06·13
Editorial
Leben auf kleinem Fuss
Kaspar Hohler
Der eigene ökologische Fussabdruck lässt sich im Internet über verschiedene Fragebogen errechnen. Das Resultat zeigt an, wie viele Planeten Erde es brauchen würde, wenn jede und jeder so leben würde, wie man es selber tut. Ein Selbstversuch zeigt: Mein Ressourcenverbrauch liegt zwar mit 2.2 Planeten nicht wirklich tief, aber zumindest unter dem Schweizer Durchschnitt. Aus ökologischer Sicht sollte ich allerdings ja nicht ins nahe Ausland ziehen. Ein analoger Test auf einer französischen Website ergibt einen Wert von 2.4 Planeten. Ein deutscher Test schreibt mir fast 2.6 Planeten zu, ein österreichischer sogar 2.7 – dies notabene mit anderer Fragelogik, aber demselben Ernährungs-, Mobilitäts-, Wohn- und Konsumverhalten. So viele Tests zum ökologischen Fussabdruck ein Mensch macht, so viele Füsse hat er.
Die unterschiedlichen Resultate erklären sich aus den verschiedenen Fragen und der Gewichtung der Antworten. Es gibt einige klare Kriterien. Wer wenig Auto fährt oder kein Fleisch isst, lebt ökologischer oder eben nachhaltiger. Schnell beginnt aber die Wertung: Ist es nachhaltiger, ein Minergie-Einfamilienhaus zu bewohnen oder eine Mietwohnung in einem Altbau? Wiegt der Kauf von Biogemüse den Stromverschleiss durch Stand-by-Schalter auf?
Für Investoren stellt sich die Frage, wie der ökologische Fussabdruck ihres Investments ausfällt. Wie bei der persönlichen Auswertung gelangt man auch hier rasch zur Frage der Wertung. Ist es nachhaltig, in Technologien für Wasserenergie zu investieren, oder können mit Staudammprojekten nicht auch Vertreibung und menschliches Leid einhergehen? Und wie stark soll die Frage der Nachhaltigkeit grundsätzlich gegenüber anderen Investitionskriterien wie Risiko und Rendite gewichtet werden? Mit dem Entscheid zur Nachhaltigkeit beginnen die Fragen. Wir geben im vorliegenden Heft mögliche Antworten.
Die Frage der Nachhaltigkeit kann für Pensionskassen Anlass sein, mit den Versicherten in den Dialog zu treten. Die Forderung der Minder-Initiative, die Aktionärsrechte im Sinn der Versicherten wahrzunehmen, lässt sich auch umfassender verstehen: Das ganze Vermögen sollte im Interesse der Versicherten investiert werden. Pensionskassen dürfen keine basisdemokratischen Spielwiesen sein. Doch wieso nicht die Versicherten über die Richtlinien abstimmen lassen, nach denen die Investitionen getätigt und die Stimmrechte wahrgenommen werden? Schliesslich ist die Art, wie das eigene Vermögen investiert wird, Teil des ökologischen Fussabdrucks jedes Menschen.n


